Seeländer OL-Hoffnungen vor internationalem Test

29.06.2016

Ausführlicher Bericht im Bieler Tagblatt über die anstehenden internationalen Wettkämpfe unserer Mitglieder Simona Aebersold, Joana Wälti, Silvan Ullmann und Fabian Aebersold.

Seeländer OL-Hoffnungen vor internationalem Test

An der Jugend-EM in Jarosław und an der Junioren-WM im Engadin sind je zwei Athleten und Athletinnen aus dem Seeland beteiligt. Drei sind zum ersten Mal an einer internationalen Meisterschaft dabei. Simona Aebersold geht hingegen als Titelverteidigerin an den Start.

 

Ab Freitag beginnt die Orientierungslauf-Jugend-Europameisterschaft im polnischen Jarosław. Über drei Tage messen sich Athleten unter 16 beziehungsweise unter 18 Jahren in den drei Disziplinen Langdistanz, Sprint und Staffel. Im Schweizer Aufgebot stehen auch zwei Seeländer. Der 17-jährige Silvan Ullmann aus Nidau und der erst 15-jährige Fabian Aebersold aus Brügg. Die beiden Gymnasiasten reisen bereits heute in den Südosten Polens, um einen genaueren Augenschein des Geländes zu nehmen. «Natürlich haben wir die Karten bereits eingehend studiert», sagt Fabian Aebersold. «Die Beobachtungen vor Ort dienen nur noch als letzter Schliff.» Dabei können die Läufer nur einen Teil des Gebiets erkunden. Denn das Betreten des Laufgeländes vor dem Wettkampf ist im OL verboten.

Im Vorfeld haben Ullmann und Aebersold zusammen mit ihren Trainern wichtige Attribute des Geländes in Jarosław markiert. Dabei kamen sie zum Schluss, dass das Gebiet ähnliche Merkmale aufweist wie jenes im Mittelland. Das kommt den Seeländern entgegen, denn ihre Saison sei, wie Silvan Ullmann bestätigt, sowieso sehr «mittellandlastig». Allerdings, so relativieren die beiden, sei das Gelände in Polen wohl etwas hügeliger, als sie dies von den bisherigen Läufen gewohnt sind.

Ergebnis harter Arbeit

Silvan Ullmann und Fabian Aebersold haben sich mit guten Ergebnissen an den Testläufen die Selektion verdient. «Da steckt viel Arbeit dahinter. Ich habe meine Form gezielt auf die beiden Läufe hin aufgebaut», sagt Ullmann. Auch für die EM scheut der Nidauer keinen Aufwand. Da vor allem die Sprint-Gebiete noch nie kartiert wurden, erstellte er selbst grobe Skizzen. Beide Seeländer nehmen zum ersten Mal an einer grossen internationalen Meisterschaft teil. «Es war schon immer mein Traum, die Schweiz international zu vertreten», so der Bruder von Kerstin Ullmann, die kürzlich zum ersten Mal an einer Aktiv-WM teilgenommen hat. «Schön, dass sich die harte Vorbereitung ausbezahlt hat.» Rangziele hat er sich, so wurde es ihm von seinen Trainern geraten, keine gesetzt. Er werde aber natürlich versuchen, seine beste Leistung abzurufen.

Auch für Fabian Aebersold geht es in Polen in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln. Manchmal sei er schon ein bisschen nervös, sagt der 15-Jährige. «Ich bin mir aber sicher, dass mich die Erfahrungen enorm weiterbringen werden.»

Vorbereitung in Arosa

Seine Schwester Simona Aebersold kennt das Gefühl, an grossen Wettkämpfen dabei zu sein. Nicht nur das: Die 18-Jährige gewann vor einem Jahr an der Junioren-Weltmeisterschaft in Norwegen Gold im Sprint und Silber in der Staffel. Ab dem 10. Juli wird sie im Engadin versuchen, ihre Erfolge zu bestätigen. «Es ist einerseits ein tolles Gefühl als Titelverteidigerin an den Start zu gehen. Andererseits verspüre ich auch einen gewissen Druck», gibt sie zu. Immerhin kann sie ansonsten befreit antreten, denn sie hat gerade erst die Matura erfolgreich abgeschlossen.

Auch die zweite nominierte Seeländerin, Joana Wälti, ist in Feierlaune. Die 19-jährige Sutzerin ist seit Kurzem gelernte Kauffrau. Als vielversprechende Athletin nutzte sie die Möglichkeit, das sogenannte Sport-KV zu machen. So konnte Wälti weiterhin ein intensives Training betreiben und musste dafür nur ein zusätzliches Lehrjahr anfügen. Sie kann heuer zum letzten Mal als Juniorin starten. «Ich bin glücklich, dass ich die Chance ergreifen konnte, an einer internationalen Meisterschaft dabei zu sein.» Wälti betont, dass dies nur dank der grossen Unterstützung von Familie, Trainer und Betreuer möglich gewesen sei.

Während sich Aebersold in sämtlichen Läufen Chancen ausrechnet, wird sich Wälti vor allem auf die drei Wald-Disziplinen (Staffel, Mittel- und Langdistanz) fokussieren. Um optimal auf die Weltmeisterschaft vorbereitet zu sein, haben die Seeländerinnen ein Trainingslager in Arosa absolviert. Ziel: sich an die Höhenluft des über 1000 m.ü.M. gelegenen Scuol gewöhnen. Eine Heim-WM sei schon speziell schön, sagt Aebersold. «Weil man die Gegend etwas kennt und sich auch sonst leichter zurechtfindet, ist man allgemein sicherer.» Ausserdem hoffen die beiden, dass sie mit dem Publikum im Rücken zu neuen Bestleistungen getrieben werden. Dass beide sehr ambitioniert sind, zeigen die Pläne, die sie nach der Junioren-WM haben. Sie reisen zur Geburtsstätte des OL: nach Skandinavien. Aebersold geht ein ganzes Jahr nach Finnland und Wälti ein halbes Jahr nach Schweden. Denn sie wissen: «Wer sich dort durchsetzt, schafft es überall.»

Wettkampfprogramm

Jugend-EM in Polen: (D/H16 + D/H18; mit Silvan Ullmann und Fabian Aebersold)

Langdistanz Fr, 1. Juli

Staffel Sa, 2. Juli

Sprint So, 3. Juli

Junioren-WM im Engadin: (D/H20; mit Simona Aebersold und Joana Wälti)

Sprint (Scuol) So, 10. Juli

Langdistanz (Ofenpass) Mo, 11. Juli

Mitteldistanz (Susch) Do, 14. Juli

Staffel (Tarasp) Fr, 15. Juli

leh