Scottish 6 Days 2017, Royal Deeside

05.08.2017

Vom 30. Juli bis am 5. August fanden rund um Ballater in Aberdeenshire die Scottish 6 Days statt. Das schottische Sommerwetter war uns gnädig gestimmt, das Gelände ging trotzdem in die Beine.

Bei einem Spaziergang durch Ballater fiel mir "The Old Royal Station" auf, die gerade eine Baustelle ist. Der Name suggerierte mir eine Bahn-Station, englische Begriffe können allerdings vieldeutig sein. Unter den aufgehängten Plakaten war das unten stehende Bild.

Die ehemalige Bahnlinie ist jetzt mindestens teilweise ein Velo- und Wanderweg. Weitere Informationen dazu sind z.B. hier zu lesen: http://www.deesideway.org/ - https://en.wikipedia.org/wiki/Deeside_Way https://en.wikipedia.org/wiki/British_Rail_BEMU - http://www.gnsra.org.uk/gnsra_gallery_bemu.htm - http://www.railcar.co.uk/type/battery-multiple-unit/ - http://preserved.railcar.co.uk/DerbyLightweight.html

The Experimental Battery Electric Multiple Unit at Ballater

Alle Welt spricht von den Möglichkeiten der Digitalisierung, von den Folgen des digitalen Vergessens hört man kaum was. Ich denke das wird so ähnlich wie das Übel mit dem Plastik(-Müll): es ist überall auf dem und im Boden (ja auch in Schottland), aber man hat sich so an dieses Zeugs gewöhnt, dass man ihn nicht mehr missen will. Und die üblen Haufen treiben kaum sichtbar in den Meeren, also wozu was tun ? Frage an die digital natives: wenn euch von jetzt auf sofort das Internet und die schlauen Telefone weggenommen werden, wo kriegt ihr dann Antworten her ?

Ein paar Links zum Anlass:

Day 1 - Glen Tanar

Luzi H50L - Schon beim Morgenessen gab es eine erste Entscheidung zu treffen: Scrambeled egg oder scrambeled egg with bacon and beans oder vielleicht die verlockendste Variante mit scrambeled egg and salmon? Die meisten von uns blieben jedoch vernünftig und entschieden sich für Toast und Muesli, da ja schon am Mittag der erste Lauf des schottischen 6 Tages OL anstand.

Wunderschönes Wetter erwartete uns in der Zielarena, welche sehr einfach aufgebaut war. Im Gegensatz zur Schweiz konnten wir die leere Laufkarte schon zum Voraus am Informationsbrett begutachten. Nach dem gründlichen Studium der Karte hatten wir alle grossen Fragezeichen in den Augen! Wo will denn der Bahnleger die Posten hinstellen, auf der Karte gab es nicht gerade viele erkennbare Objekte, ausser den massiven Schneisen quer über die Hügel. Nun gut, lassen wir uns überraschen!

Nach dem Zieleinlauf lautete das Fazit des Tages: Anspruchsvolle Bahnen, stark generalisierte Karte, einige knifflige Routenwahlen und eine Unmenge an hüfthohem Farn. Zum Abschluss des Tages gab es auch noch eine Dusche von oben, so dass wir schon am ersten Tag einen tiefen Eindruck ins schottische OL Leben erhielten. Landschaft, Organisation, Laufgelände und OL’s hielten, was versprochen wurde. Kann dieser Einstieg noch getoppt werden?

Day 2 – Balfour Forest

Kirstin D12L - Der Weg zum Start war ca.1 km über eine Teerstrasse. Zu meinem Start durfte ich noch etwas weiterlaufen. Nach dem Start durfte ich mehrere Male eine Steinmauer überqueren. Den Attackpoint zu meinem zweiten Posten habe ich mehr als nur vergeigt. Wieso auch immer kann ich mir nicht erklären. Zum Glück musste ich nicht wie die längeren Bahnen durch einen Sumpf. Im Wald hatte es kaum Dickichte, daher konnte man schnell rennen ohne gross dem Grünzeugs auszuweichen. Beim Zieleinlauf hatte es eine provisorische Brücke über einen Graben. Wenn dort eine Person lief, welche schwerer war als du, hat es dich hoch gespickt. Das Ziel was das gleiche wie am nächsten Tag, jedoch mit einer Treppe über den Zaun.

Route 1-2
 

Day 3 - Birsemore Hill

Marius H14L - Nach einem leckeren Frühstück startete auch für uns der Tag. Da wir eine späte Startzeit hatten, konnten wir dieses Mal beim Morgenbüffet zuschlagen. Eine harte und technisch anspruchsvolle Langdistanz wartete auf uns. Nach einem stündigen Anmarschweg zum Start tauchten wir ins Abenteuer des Langdistanz Rennen ein. Leider verlor ich vor Posten fünf den Faden, was zu einer längeren Suchaktion führte. Diese setzte sich zu Posten Sechs fort. Im weiteren Verlauf des Laufes versuchte ich mich, aufs Neue zu konzentrieren, was mir auch mehr oder weniger gelang. Gegen Schluss des Rennens waren meine Beine ziemlich müde. Erschöpft erreichte auch ich das Ziel. Das Wetter blieb während dem Lauf glücklicherweise schön.

Routen 1-7
Sicht ins Lauf-Gelände
 
 

Gegen Abend wurden alle LäuferInnen der ol.biel.seeland von Zwahlens zur 1. Augustfeier auf den Camping eingeladen. Niemand wollte aber eine Rede halten und auch die Raketen fehlten. Vielleicht war dies besser, denn die Schotten kennen keinen solchen Nationalfeiertag. Auch ohne Reden und Raketen vergnügten wir uns unter dem improvisierten Regendach mit einem feinen Apéro. Zu unserer grossen Überraschung, wurde im Hotel das Abendessen mit Schweizer Fähnlein verziert. Doch von wem stammten diese Fähnchen? Bis heute haben wir dieses Rätsel nicht gelöst. Der erlebnisreiche Tag liessen wir mit Spielen ausklingen und unsere müden Beine freuten sich schon auf den bevorstehenden Ruhetag.

Hump Day

Reto, H45L - Nu ja Hump Day steht für Mittwoch respektive in diesem Sinne für den Ruhetag. Der Hump ist ein Hügel und bildet die Mitte der Woche. Ein Paar Hartgesottene, welche nicht genug OL im Wald hatten, sind mit vollem Elan an den Stadtlauf in Ballater gepilgert. Drei Teenies, zwei Röbus und meine Wenigkeit, waren der Meinung, Bewegung ohne Schläge ist eine sehr gute Ausgleichsmöglichkeit. Nach einem gratis Upgrade beim Veloverleih ging es los in die umliegenden Anhöhen. Drei erfahrene OL Läufer waren aber nicht in der Lage, die ungenaue, primitive, vegetationslose Karte richtig zu lesen. Was dazu geführt hat, dass wir nie sicher waren, wo genau wir uns nun befinden. Grund dessen haben wir uns halt verfahren. Nun ohne diesen Umweg hätten wir die 3 auf einem Schotterweg überfahrenen Kaninchen nicht gesehen. Gehe davon aus, dass durch den ewigen Regen auch die Kaninchen sehr deprimiert sind und nur so auf das Auto warten, welches einmal im Monat an dieser Stelle vorbeifährt. Auch das Schafschären wäre uns durch die Lappen ohne Umweg. Wieder auf dem richtigen Weg angekommen, hat uns ein reissender Bach mit 20m Breite, 4m Tiefe den Weg versperrt. Dieser wurde von allen Teilnehmern auf seine eigene Art und Weise gemeistert. Die einen nach dem Prinzip „Gring ache u dürre“ andere mit einem Satz nassen Schuhen und die letzten wie Fredy Nock im Hochseilakt. (Man beachte die Mausfalle in der Mitte vom Baumstamm).

Day 4 – Creag Choinnich

Svenja D16 - Nach dem nun alle einen Tag lang ausruhen konnten, ging es nun mit der 4. Etappe weiter. Die kürzeren Bahnen hatten nur einen kurzen Weg zum Start. Wir anderen mussten von dort aus noch bis ganz nach oben auf den Horepp hinauflaufen. Wenigstens war für einmal gutes Wetter, so dass man noch ein wenig die Aussicht (abbsolitly gorgeous, outstanding, just f…beeep great. Anm. Red.) geniessen konnte. Der erste Teil des Rennens war nicht sehr gut belaufbar, wegen den hohen Erika Stauden. Der zweite Teil im Wald war definitiv umso schöner.

Route 2-3
 

Day 5 - Glen Feardar East

Röbu H50L - Das Wetter zeigte sich heute eher von der trüben Seite, so richtig nass wurde während dem Lauf jedoch kaum jemand.

Kaum gestartet, kratzte mir ein Baum den rechten Unterarm dermassen auf, dass ich sogar ans Umkehren dachte. Ich bin dann weitergelaufen, der klare Blick für die Route von 1 zu 2 war dann durch diese Gedanken doch etwas getrübt. Im weiteren Verlauf waren meine Routen-Entscheide ganz passabel, bis auf das Umsetzen von 6 zu 7.

Route 6-7

Nach dem Durchgang leicht nach links... Die Richtung im Hang hat wohl nur in meiner Einbildung gestimmt. Als ich dann durch die Bäume die Ruinen auf der Wiese gesehen habe, war ich gefühlt noch wesentlich weiter als gezeichnet. Der Ausflug in das 150 cm hohe Farn hat mich 6 Minuten und viele Rangpunkte gekostet. An Stelle einer leichten Verbesserung im Gesamt-Klassement, bin ich nur weiter nach hinten gerutscht. Einfach geradeaus wäre auch gegangen.

Die grössten Routen-Unterschiede hat es erwartungs-gemäss auf der längsten Teil-Strecke gegeben.

Routen 10-11

Für die pinke Route wurden 17:35 notiert für meine im unteren Bild 16:44. Für die beiden nördlichsten Routen muss man meiner Meinung nach entweder mutig sein oder über Orts-Kenntnisse verfügen. Die Satelliten-Bilder zeigen denn auch schnell belaufbare Spuren zwischen den Wegen. Die schnellste Zeit auf diesem Abschnitt ist 10:34, gelaufen von Eddie Narbett in der Kategorie M18L, bei M50L lief Andy Kitchen 12:00 (beide haben leider ihre Route auf http://www.scottish6days.routegadget.co.uk/ nicht eingezeichnet).

meine Route 10-11

Die Satelliten-Bilder zeigen viele 'kahle' mit Heide-Kraut bewachsene Flächen, die mit faszinierenden und schienbar vollkommen regellosen Mustern durchzogen sind.

Siehe z.B. http://schottlandinfos.de/waelder/

Wenn man sich die vielen Schneisen in den Wäldern ansieht, dann wird offensichtlich, dass nur ein winziger Teil natürlicher Wälder überlebt haben - dagegen ist die Schweiz gerade ein Wald-Paradies.

Einfach verrückt, was der Mensch für Spuren hinterlässt. So faszinierend diese Muster auch sind, so unverständlich die massiven Eingriffe in die Natur - also bei uns ist das genau so, nur weniger offensichtlich: Alp-Weiden, von den viel zu schweren Kühen so zertreten, dass ganze Hänge ins Rutschen kommen, etc, etc. Mensch ! wo bleibt dein Verstand ?

Wir sollten so viel mehr wissen als von hundert und mehr Jahren, aber niemand scheint das zu interessieren und jede Generation scheint nur möglichst grossen Schaden anrichten zu wollen - ist das zu hart ausgedrückt ?

Day 6 – Glen Feardar West

der Lauf meines Lebens :-)

blühendes Heidekraut

Scotland, my love

Therese Hohl D50L - Nach fünf wunderschönen Tagen die abschliessende Etappe mit einer frühen Startzeit, was mich etwas nervös macht. Volle Konzentration am Start und ruhig und bedacht mit genügend Power durch das Laufgebiet, das sind meine Gedanken zu dieser Etappe.

Und es gelingt mir, ab und zu etwas zögerlich, da mein Gefühl zu Distanzen nicht so zuverlässig ist und ich ab und zu das Mantra denken muss ‚glaube an dich und den Kompass‘. Zudem ist vom letzten Tag in meinem Hinterkopf, dass eine Laufzeit unter einer Stunde möglich sein sollte. Auch dies gelingt mir sehr gut und ich bewältige die 4.8km mit 165m Steigung in 54 Minuten, was einem Rückstand von 12 Minuten auf die frühere Eliteläuferin Cecilia Bratt entspricht.

Und jetzt?

Es gibt ein Sprichwort, das besagt, man soll etwas beenden, wenn es am schönsten ist. Für mich würde dies heute und jetzt heissen: So gut wirst du nie mehr sein und das ist der Moment, an dem ich ‚Danke und alles Gute‘ sagen sollte… Aber eben, ich bin im OL nach wie vor am Lernen und habe in Schottland einfach ‚mein‘ Laufgebiet gefunden, das die ideale Kombination aus offen, Wald, Höhenkurven, Felsen und viel guter Eingebung aufweist.

Summary

Die Scottish 6-Days Reisenden 2017 der ol.biel.seeland waren sich einig: Die Woche ist kaum zu toppen! Gut zu wissen, dass Schottland alle 2 Jahre eine OL Woche bietet und diese in 10 Jahren wieder in der Gegend Royal Deeside stattfinden wird… ;-)

ein süsses Törtchen
in London
Congratulations
 

Madlen und Röbu Zwahlen; Kirstin, Svenja, Nathalie und Reto Zwahlen; Therese Hohl; Kaja und Röbu Hegi; Carina, Marius, Susann und Luzi Peter Hofer.